Halsbänder: für Katzen lebensgefährlich

10. Mrz. 2015
Kitty trägt das Halsband nur zur Demonstration

Kitty trägt das Halsband nur zur Demonstration

Das Frühjahr kommt und unsere Katzen genießen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen im Freien. Wie jedes Jahr fällt mir gerade jetzt wieder die große Anzahl von Tieren auf, die ein Halsband – oft noch schlimmer: ein Halsband mit Anhänger und/oder Glocke – tragen. Aber auch in der Werbung oder auf Züchterseiten finden sich gar nicht selten Katzen mit einem Halsband abgebildet. Das Angebot in den „Fach“geschäften ist vielfältig und folgt dem modischen Trend. Auch Parasitenhalsbänder gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen und Farben. Die Katzenhalter möchten mit einem Halsband deutlich machen, dass das Tier ein Zuhause hat; der Adressanhänger soll eine sichere Rückführung ermöglichen, und eine Glocke soll die Katze am Fangen von Vögeln hindern.

Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass ein Halsband – erst recht eines mit Anhängsel – Stress pur für das Tier bedeutet und zu lebensgefährlichen bis tödlichen Verletzungen führen kann.

Eng anliegendes Halsband

Eng anliegendes Halsband

Ein Halsband wird bei der Katze relativ eng gezogen um zu verhindern, dass es vom Tier abgestreift wird. Denn das ist es, was die Miez will: das „lästige Ding“ so schnell wie möglich los werden! Es drückt das Fell gegen den Strich hinunter, es engt ein und es juckt darunter.

Befinden sich nun noch ein Adressanhänger oder gar eine Glocke daran, wird die Tortur unerträglich. Der Adressanhänger klimpert gegen jedes Hindernis, die Glocke sorgt für eine Dauerbeschallung der hochempfindlichen Katzenohren. Eine sichere Orientierung über dieses wichtigste Sinnesorgan ist der Katze nicht mehr möglich.

Katzenhalsbänder sind Tierquälerei! Und sie sind lebensgefährlich!

Ich zitiere aus einem Schreiben des Deutschen Tierschutzbundes, das ich auf Anfrage mit der Genehmigung zur Verwendung erhielt:

„Von Katzenhalsbändern geht eine bisweilen tödliche Gefahr aus: Bei der Fellpflege, beim Spielen oder Klettern, können die Tiere in den Halsbändern hängen bleiben, Quetschungen erleiden, sich strangulieren – im schlimmsten Fall mit tödlichem Ausgang. Daher warnt der Deutsche Tierschutzbund alle Katzenhalter davor, ihrem Stubentiger auf Freigang (Anm.: Katzen, die nur in der Wohnung leben, sind gleichermaßen gefährdet) ein Halsband umzubinden. Immer wieder werden verletzte Katzen in die Tierarztpraxen eingewiesen: Sie sind bei der Fellpflege (Anm.: vor allem aber bei dem Versuch das Halsband abzustreifen) mit der Vorderpfote in das Halsband geraten und haben schwere Gewebequetschungen erlitten; beim Klettern (Anm.: oder nur beim Streifen durch Buschwerk) sind sie hängen geblieben und haben sich stranguliert. Die solcherart gefangenen Tiere geraten nicht selten in Panik und strangulieren sich im schlimmsten Fall zu Tode.“

Leider ist auch eine nicht unbeträchtliche Zahl der überfahrenen Katzen Träger von Halsbändern. Die Tiere verfangen sich mit der Pfote im Halsband, versuchen auf drei Beinen nach Hause zu kommen und verunfallen dann, weil sie nicht mehr schnell genug sind. Die traurige Erfahrung zeigt, dass sich die sogenannten „Sicherheitsverschlüsse“ meistens nicht öffnen.

Angesichts dieser Fakten ist es nicht nachzuvollziehen, dass Halsbänder völlig unbedenklich verkauft werden. Sogar Tierarztpraxen bieten Parasitenhalsbänder für Katzen an und TASSO versendet bei der Erstregistrierung eine Marke mit der Registrierungsnummer, die – groß wie eine Hundesteuermarke – das Tragen eines Halsbandes zwingend machte (auf Anfrage bekam ich die Auskunft, es habe „organisatorische Gründe“, dass auch Katzenhalter diese Marke erhielten; „man arbeite an einer Änderung“. Das heißt: aus Effizienzgründen unterscheidet das System nicht die Tierart und schickt immer eine Marke mit. TASSO finanziert sich aus Spendengeldern. Trotzdem ist ein Hinweis an Katzenhalter wünschenswert).

Katzen wollen, dürfen! kein Halsband tragen und sie brauchen es nicht!

  • Zum Parasitenschutz gibt es bei Ihrem Tierarzt wirkungsvolle spot-on-Präparate.
  • Die sicherste Kennzeichnung erfolgt über einen Mikrochip, der (narkosefrei) vom Tierarzt implantiert wird. Die Chipnummer muss natürlich bei TASSO registriert werden; dann ist eine zweifelsfreie Identifizierung und Rückführung möglich. Alle Tierschutzvereine, jeder Tierarzt, die Tierrettung und mittlerweile einige Straßenmeistereien verfügen über die Geräte, die die Chipnummer auslesen können.
  • Es entspricht nicht den Tatsachen, dass Katzen den Vogelbestand dramatisch dezimieren. Die fortschreitende Urbanisierung, Umweltgifte und daraus resultierende Krankheiten richten weitaus größeren Schaden unter den heimischen Vögeln an. Katzen erjagen nur junge, unerfahrene oder durch Krankheit geschwächte Tiere – da hilft auch keine Glocke! Für einen erwachsenen, gesunden Vogel stellt eine Katze keine Gefahr dar. Die wenigsten Katzen sind dauerhafte Vogeljäger. Wenn es dennoch gilt, ein Nest in einem Baum zu schützen, kann man den Stamm mit selbstgebauten oder zu kaufender Manschetten umgeben, so dass Katzen nicht mehr hochklettern können.

Es wird mein Traum bleiben, dass Katzenhalsbänder aus den Regalen verschwinden. Aber ich hoffe mit meinem Artikel der einen oder anderen Samtpfote nicht nur eine Qual, sondern auch eine lebensgefährliche Bedrohung ersparen zu können.

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Text

Felicitas wurde zum Glück wieder gesund.

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Die schrecklichen Folgen eines Halsbands.