Endlich ein Zuhause – mit 15 Jahren!

16. Sep. 2017

Vor ungefähr 12 Jahren suchte Katze Sweety mit ihren Kindern Unterschlupf bei einem älteren Ehepaar. Dieses informierte einen Tierschutzverein, dessen Mitarbeiter die kleine Familie abfingen. Die Kitten blieben im Tierheim, für die Mutterkatze gab es keinen Platz. Eine „wilde“ Katze wollte man im Tierschutz nicht haben. Sie bekam nicht einmal ein wenig Zeit zu zeigen, dass sie vielleicht doch den Anschluss an Menschen hätte schaffen können.

Sweety wurde kastriert und – da die Dame angeboten hatte, sich um die Katze zu kümmern –schnellstmöglich zurück gesetzt. Nicht einmal die Mühe einer Kennzeichnung machte man sich.

Auch keine Gedanken darüber, dass die Dame schon damals älter und recht krank war. Dass die Chancen auf eine Sozialisierung gleich Null waren, weil ein Terrier im Haushalt lebte, übersah man ebenso geflissentlich.

Sweety hatte kein gutes Leben. Sie wurde gefüttert; auf der Terrasse hatte sie eine Holzhütte, die im Winter zu kalt, im Sommer zu warm war – wenn sie denn überhaupt benutzt wurde. Die Katze stromerte in der – zugegebenermaßen sehr schönen – Umgebung. Eine Heimatlose.

Im Sommer hatte sie Fellprobleme; einmal sah sie gut, fast etwas moppelig, dann wieder viel zu dünn aus. Mit den Jahren wurden die Beine krumm und der Rücken senkte sich. Die alte Dame wurde immer hinfälliger und die Nachbarn übernahmen die Fütterung. Sweety aufnehmen konnten sie nicht, weil in einer Familie ein unverträglicher Kater, in der anderen ein Hund leben.

Dann verstarb die alte Frau, das Haus wurde verkauft und Sweety hatte nicht einmal mehr ihren Holzverschlag. Die Nachbarn fingen die Katze problemlos in einer größeren Transportbox und waren so großzügig die kompletten Untersuchungs- und Erstbehandlungskosten zu tragen.

Das Ergebnis des Blutbefundes der inzwischen ungefähr 15-jährigen Katzenseniorin ist überraschend gut. Die Zahngesundheit war das Gegenteil: einige lose Zähne wurden gezogen, von etlichen bereits ausgefallenen mussten die entzündeten Wurzeln operativ entfernt werden. Der Rücken ist eine Katastrophe: das Röntgenbild zeigt hochgradig Spondylosen, und dass gleich mehrere Bandscheiben nicht mehr vorhanden sind. Am deutlichsten aber stellt sich das harte, schutzlose Leben im Freien am Kopf dar. Sweety war ihr Leben lang dauerhaft der UV-Strahlung ausgesetzt. Als fast weiße Katze hat sie an den Ohren zunächst Sonnenbrand bekommen, aus diesem entwickelten sich im Laufe der Jahre Ohrrandtumoren.

Bei mir muss sie nun erst einmal ankommen. Ihr kleiner Bereich meines Katzenzimmers wird ihr sicher sehr beengt erscheinen. Aber sie ist absolut ruhig. Ein wenig erschöpft liegt sie auf ihren Decken und lässt bereits erstaunlich viel Nähe zu. Leckerchen nimmt sie mir aus der Hand.

Ich vermag nicht zu erkennen, ob Sweety bewusst ist, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben im Warmen sitzt, während es draußen regnet und ungemütlich kalt ist. Dass ihre alten Knochen weniger schmerzen und dass hochwertigeres Futter satter macht. Ich hoffe es und auch, dass sie das irgendwann richtig genießen wird.

Der Hautkrebs schreitet erfahrungsgemäß langsam voran. Man könnte ihn auch sehr gut operieren. Ob wir das in Erwägung ziehen, hängt von der Heilung der Nase ab. Diese zeigt ebenfalls Krusten. Heilten diese ab, wäre es sicher kein Krebs; wenn nicht, dann sehr wohl und dann machte die Entfernung der Ohrmuscheln leider keinen Sinn. Wir werden uns Zeit lassen mit der Entscheidung. Zunächst einmal gilt es, Sweety spüren zu lassen, dass sie nun ein Heim hat, in dem sie geliebt und umsorgt wird.

In diesem Sinne:»Von Herzen willkommen, meine Süße!«