Im Folgenden stelle ich Ihnen die Tiere und ihre Geschichte vor, die bei mir ihr Zuhause gefunden haben.

 

 

Indis
ist wahrscheinlich ein sogenannter „Highlander“, ein British-Langhaarkater. Er lebte auf einer Futterstelle und war dort eines der scheuesten Tiere. Er wurde im Frühsommer 2011 kastriert und verbrachte zusammen mit den anderen Tieren einige Wochen im Tierheim. Indis blieb so scheu wie er gekommen war und kehrte mit wenigen anderen Tieren in den Wald zurück. Der Kater hatte gerade begonnen sich regelmässig zur abendlichen Fütterung einzufinden, als er ganz plötzlich gar nicht mehr auftauchte. Wir hatten ihn schon aufgegeben, doch Wochen später fand er völlig abgemagert zurück. Eigentlich hatte ich gedacht, dass Indis ein Kater sei, der zum Sterben einfach im Wald bliebe. Aber er suchte offensichtlich Hilfe, und so haben wir ihn am 2. Weihnachtstag 2011 gefangen. Die tierärztliche Untersuchung zeigte, dass die wichtigsten Körperfunktionen und Organwerte in Ordnung waren, obgleich das Tier grauenvoll aussah. Eine Euthanasie kam also für uns vorerst nicht in Frage. Und tatsächlich gesundete der Kater von seiner schweren Rückenverletzung, die ihm mit großer Wahrscheinlichkeit durch menschliche Gewalt zugefügt wurde.
Fast eineinhalb Jahre verbrachte Indis in einem abgeteilten Bereich meines Katzenzimmers, aber er konnte sein Trauma nicht überwinden. Ein Platz auf einem Bauernhof als „Mitläufer“ war nicht denkbar, weil der Kater aufgrund seines langen Fells und des Katzenschnupfens sorgfältig überwacht werden muss. Ein anderes Zuhause fand sich nicht; wer will einen unnahbaren Kater? Schließlich baute ich ihm mit großartiger Unterstützung vieler Freiwilliger ein Haus mit Freigehege in den Garten. Eine Chipkatzenklappe machte es nur für ihn zugänglich. Viele Monate lebte Indis dort. Er gewöhnte sich an die Geräusche der Umgebung, sah die anderen Katzen und erlernte die Benutzung der Katzenklappe. Als ich dann an einem ruhigen Samstagabend endlich das Tor öffnete, entschied er anders: nach 2 Tagen sah ich ihn im Stuhl auf der Terrasse und wenig später fand er den Weg in’s Haus. Indis weiß, wo er hingehört, und er ist bei schlechtem Wetter gerne drinnen. Aber wenn er sich eingeschlossen fühlt, bekommt er Panik. Nerone ist ihm Kumpel und Vorbild. Leider bleiben Besuche beim Tierarzt eine Herausforderung, was zu meinem Kummer zur Folge hat, dass ich ihn nicht in der Form diagnostizieren lassen und therapieren kann, wie er es benötigte. 

Nerone
stammt von der gleichen Futterstelle wie Indis und ein kleiner „Schuss“ Langhaarkatze befindet sich auch in ihm. Er war von Beginn an ausgesprochen zutraulich und hat mein Herz im Sturm erobert.
Der Kater geniesst es über alle Maßen, ein behagliches Zuhause zu haben. Er geht zwar gerne hinaus, verbringt aber viel Zeit im Hause. Nerones Geburtsjahr haben wir inzwischen auf ca.2006 korrigiert – er gehört also zu den Jüngeren in meiner Truppe. Er ist hochsozial gegenüber anderen Katzen, und Jeder kommt zurecht mit ihm. Für Indis ist er ein wichtiger Kumpel und Halt, mir macht er einfach ganz viel Freude. Es ist schön zu erleben, wie glücklich der Kater ist, endlich ein Zuhause zu haben. Leider entwickelte der süße Kerl Flecken auf der Iris deslinken Auges – die Vorstufen zu sehr bösartigen Tumoren, den sogenannten „Irismelanomen“. Im September 2013 wurde das Auge entfernt und damit jede Gefahr einer tumorösen Entartung beseitigt. Als wäre das nicht genug, kommt jetzt noch eine Herz-Kreislauferkrankung hinzu. Nerone ist sehr krank, aber ein reizender, verschmuster Clown mit einer ganz engen Bindung an mich. 

Miss Pizzi
Die ungefähr 2002 geborene Katze lebte auf einem Bauernhof und hatte somit eigentlich einen Besitzer. Aber wie so oft in ländlichen Gebieten kümmert sich der Bauer nicht um die Katzen auf seinem Hof. Pizzis Lebensgeschichte ist nur in Bruchstücken zu rekonstruieren. Es ist ihr geschundener Körper, der die eindeutigste Sprache spricht: Die Katze muss viele Male Junge gehabt haben. Ob sie dann doch kastriert wurde oder infolge ihres schweren Unfalls nicht mehr empfangen kann, wissen wir nicht. Die Art der Schäden der Haut und die Röntgenaufnahmen des Skeletts lassen vermuten, dass Pizzi in/unter eine landwirtschaftliche Maschine geriet und danach gar nicht oder nur sehr mangelhaft tierärztlich versorgt wurde. Sie hat das überlebt und sich eine erstaunliche Mobilität zurückerobert. Aber ihr Leben auf dem Hof muss danach erst recht schwer gewesen sein. Langsam und behäbig wie sie war, wurde sie von Allen – Menschen und Tieren – gejagt. Höher gelegene, trockene Plätze konnte sie nicht erreichen. Chronische Infekte mit hochentzündeten Augenbindehäuten ließen sie genauso leiden wie die nicht behandelte Schilddrüsenüberfunktion und das etwas schwache Herz. Die zertrümmerten Knochen und die felllosen, hochempfindlichen Hautpartien verursachen gerade im Winter chronische Schmerzen.
Bei mir ist Miss Pizzi angekommen, und sie genießt ein behagliches Zuhause, die Versorgung und die Zuwendung wie es wohl nur eine Katze tut, die viele Jahre eines harten Lebens draussen verbringen musste. Wenn sie ihren Kopf in meine Hand drückt, geht mir das Herz über vor Kummer über das Leid, das sie ertragen musste, aber auch vor Dankbarkeit, dass ich es ihr jetzt ein wenig schön machen kann. Ich wünsche mir innig, dass meiner wunderschönen, lebensweisen Matrone noch eine recht gute Zeit verbleibt.

Sweety
Ich begegnete der hübschen Kuhkatze vor vielen Jahren, als sie mit ihren Kitten auf der Terrasse einer alten Dame auftauchte. Wir fingen die Katzenfamilie ein. Während die Katzenkinder im Tierheim sozialisiert und dann vermittelt wurden, gab man die „wilde“ Mutter an die Finderin zurück. Diese hatte zwar zugesagt, sich um das Tier zu kümmern, aber es war klar, dass das nicht gelingen konnte, weil der Terrier im Haushalt selbst einer Katze, die ausschließlich draussen lebte, keinen wirklichen Lebensraum ließ. So wurde Sweety eine Heimatlose. Versorgt zwar, aber ohne wirkliches Zuhause, ohne Zuwendung geschweige denn den Versuch einer Sozialisierung. Es war ein Zufall, der mich Jahre später in die Nachbarschaft führte. Sweety war inzwischen eine Seniorin, deren schlechter Allgemeinzustand von vielen schutzlosen Jahren im Freien zeugte. Leider mussten noch viele Monate vergehen, und die alte Dame erst sterben, bis die Katze bei mir einziehen durfte. Das ist jetzt eineinhalb Jahre her; Sweety befindet sich inzwischen im 17. Lebensjahr. Die Ohrrandtumoren haben sich nicht weiter ausgebreitet; es sind im Gegenteil die Ohren wunderbar abgeheilt. Das Fellkleid ist vollständig geschlossen (Sweety hatte „draussen“ immer wieder großflächig kahle Stellen) und die Ergebnisse der Blutuntersuchung waren ausnahmslos gut. Das Wichtigste aber ist, dass die Katze sich sichtbar wohl fühlt. Sie bewohnt zwei Teile meines Katzenzimmers, an die sich ein kleiner, eingenetzter Garten anschliesst. Sie hat verstanden, dass sie in Sicherheit ist; dass sie umsorgt und weder von Menschen noch von anderen Katzen verjagt wird. Zu mir hat sie ein ganz zartes Vertrauen aufgebaut, das anrührt. „Betreutes Wohnen“ für eine bescheidene, alte Katzendame, die nicht mehr viel vom Leben erwartet hatte.

Ganymed
ist mit ungefähr 3 Jahren der absolute „Youngster“ in meiner Gruppe. Unkastriert gefangen an einem schlechten Futterplatz, verweigerte das Amt und damit auch das zuständige Tierheim seine Aufnahme. Der wunderschöne Kater war viel zu dünn, der gebrochene Fußknochen war schief zusammengewachsen, und die angegriffene Darmgesundheit ist bis heute nicht vollständig therapiert. Aber der „Wildling“ hat sich seelisch ganz wunderbar entwickelt. Er liebt andere Katzen genauso wie sein Zuhause und den immer gut gefüllten Futternapf. Gerne nutzt er seinen Freigang und ist draußen ein erfolgreicher Jäger. Aber mindestens ebenso schätzt er den Schutz und die Behaglichkeit, die er im Haus vorfindet. Es tut gut, ihn so zu sehen und zu wissen, dass ihm ein elendes Leben als unversorgter Streuner erspart bleibt.

Kärleken
Seit Mai 2012 lebt Kaninchendame Kärleken aus Leichlingen bei mir. Ursprünglich aus tierschutzwidriger Einzelhaltung bei einer psychisch kranken Frau, hatten Tierschützer schon Großartiges geleistet. Die Kaninchendame war scheu aber kein Notfall mehr, als sie als Partnerin für Torsdag zu mir kam. Die Kaninchen verstanden sich gut und bildeten zusammen mit Noirette und Mr.Snow eine homogene Gruppe. Nacheinander verstarben Mr.Snow, dann -viel zu früh- Torsdag und schließlich Noirette. Böckchen Sanchi wurde – nach anfänglich ernsten Schwierigkeiten – ihre ganz große Liebe. Aber auch dieser Verbindung war nur eine viel zu kurze Zeit vergönnt. Kärleken ist inzwischen eine reife Kaninchendame mit einer imposanten Wamme. Ihren neuen Partner Paul akzeptierte sie problemlos. Und so können die beiden Kaninchen ihr Seniorenleben kuschelnd genießen.

Paul
kam nach dem Tod vom Sanchi im Oktober 2017 zu uns.
Der Start des damals 6-jährigen, wildfarbenen Kaninchenbocks war alles andere als einfach.
Ich „fand“ ihn im Tierheim Bonn, abgegeben nachdem die Partnerin verstorben war.
Paul saß noch alleine, da er keinen ausreichenden Impfschutz hatte. Leider setzte man ihn für die 3 Tage bis zur Abholung noch in eine Kaninchengruppe, wo er heftig verbissen wurde und insbesondere eine schlimme Augenverletzung davon trug. Völlig apathisch vor Schmerzen kauerte Paul in einer Ecke. Trotzdem blieb sein Zustand unbemerkt.
Es war für mich keine Frage ihn nun erst recht sofort zu mir zu holen. Mehrere Wochen intensivster Pflege folgten – an eine Vergesellschaftung mit Kärleken war nicht zu denken.
Zum Glück gelang Pauls Genesung, allerdings sind beide Augen dauerhaft ein wenig empfindlich und neigen zu Entzündungen.
Nachdem die Kaninchen sich wochenlang nur durch ein Gitter beschnuppern konnten, verlief die Vergesellschaftung dann problemlos. Heute bilden die beiden ein harmonisches Paar, das auch gerne miteinander kuschelt. Umso tragischer ist es, dass Paul einen inzwischen inoperablen Backenzahnabszess entwickelte. Es geht ihm zur Zeit noch erstaunlich gut, aber seine Restlebenszeit ist äußerst begrenzt.

Einen Pflegeplatz auf Lebenszeit haben:

 

 

Kira
Kira und ihre Geschwister wurden 2007 von ihrer frei lebenden Mutter in einem Pferdestall geboren. Kastriert und liebevoll überwacht lebten die Katzen fern ab der Zivilisation. Im Sommer 2015 verletzte sich Kira am linken Auge; ein haarfeiner Riss, der lange unerkannt blieb. Ihre Halterin gab sie in meine Obhut um das Auge zu behandeln und natürlich um die bestmögliche Lebensform für sie zu finden. Die Verletzung heilte gut ab, das Auge blieb aber irreparabel geschädigt und musste schließlich entfernt werden. Sofort ging es der Katze gesundheitlich deutlich besser, aber sie kam – ganz untypisch für eine Katze – nicht gut zurecht mit nur einem Auge. Es war ausgeschlossen, sie an ihren alten Platz zurück zu setzen. Kira lebt bei mir, während ihre Halterin nach wie vor alle Tierarztkosten trägt. Gerne hätte ich einen Platz als Einzelprinzessin für Kira gefunden, blieb aber mit meinem Wunsch erfolglos. Sie mag keine anderen Katzen, und leider geht sie ihnen nicht aus dem Weg sondern knurrt sie an. Über ein Jahr lang lebte die scheue Katze ausschließlich draußen, verließ aber den Garten kaum und genoß den Komfort, im Freien unter gleich mehreren Katzenhütten wählen zu können. Zum Winter 2016 fand sie langsam den Weg in’s Haus und hat seit dem eine doch verlässliche Bindung zu mir aufgebaut. Das freut mich auch deshalb, weil ich nun viel besser auf sie achten kann. Leider stellte sich nämlich inzwischen heraus, dass Kira einen chronischen Lungenschaden hat, der sie belastet und anfällig für Infekte macht. So ganz „angekommen“ ist die wunderschöne Katze noch immer nicht, aber sie hat ihren Platz gefunden, an dem es ihr gut geht und sie wohl versorgt ist.

Milo
Der Kater mit dem markanten Gesicht zog zusammen mit seiner Partnern Bella im Frühjahr 2017 bei mir ein. Bella war Diabetikerin, Milo hat eine ausgeprägte Schilddrüsenüberfunktion. Beide Tiere waren lange Zeit unbehandelt geblieben und in sehr schlechtem Zustand. Als es ihnen besser ging, entwickelten sie sich zu einem ganz außergewöhnlichen Katzenpaar mit ausgeprägten Charakteren. Trotzdem fand sich kein Zuhause für die Beiden, was in der Hauptsache an Bellas Diabetes lag. Anfang des Jahres 2018 entwickelte sich bei Bella ein Tumor im Maul, an dem sie wenige Wochen später verstarb. Gegen alle Befürchtungen blühte Milo förmlich auf und lebt nach anfänglich sehr schwieriger Vergesellschaftung in meiner Katzengruppe.
Trotzdem hätte ich ihn gerne vermittelt, aber die Diagnose eines Tumors auch bei ihm machte diese Hoffnung zunichte. Der begeisterte Freigänger, der sich zu meinem Kummer beständig erbitterte Katerkämpfe liefert, wird bei mir bleiben, bis ein Weiterleben nicht mehr möglich ist.

Opi Emil
Als Emil kam der alte, von einem langen Streunerleben gezeichnete Kater im Mai 2017 zu mir.
Er, der wohl lange Zeit auf sich alleine gestellt draußen gelebt hatte, sollte noch ein paar schöne Wochen außerhalb des Tierheims mit der Möglichkeit des Freiganges haben. Es gelang uns, die schlechten Nierenwerte in die Norm zu therapieren und eine verträgliche Dauermedikation für die katastrophalen Defizite des Bewegungsapparates zu erarbeiten. Inzwischen „schlufft“ der kauzige, fast taube und leicht demente Methusalem, der nun auch noch eine Schilddrüsenüberfunktion entwickelt hat, seit mehr als eineinhalb Jahren mit der Gruppe umher. Wenn er schläft, scheint er zu lächeln und die zuckenden Pfötchen verraten seine Träume. Ganz besonders zauberhaft aber ist der Opi, wenn er seinen Kopf an meinen Beinen reibt um unmissverständlich Zuwendung einzufordern. Ein wirklicher Senior, der auf seine alten Tage den Komfort eines Zuhauses noch einmal in vollen Zügen genießt.

Clarissa
Schwer verletzt wurde die Katze als Fundtier in’s Tierheim gebracht. Aufgrund ihres lebensbe-drohlichen Allgemeinzustandes übernahm ich sie sofort. Es dauerte lange, bis ihr körperliches Gleichgewicht wieder hergestellt war. Die Leber blieb dauerhaft geschädigt, zudem zeigte sich, dass Clarissa eine Schilddrüsenüberfunktion hat. Die auf 14 Jahre geschätzte Glückskatze hat offensichtlich wenig gute Erfahrungen mit Menschen gemacht. Sie ist recht scheu, vor allem aber sehr unsicher, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass sie fast nichts hört.
Trotzdem hat sich Clarissa gut eingelebt. Sie scheint das behagliche Leben in einem Haushalt zu genießen und vertraut mir immerhin so weit, dass die regelmäßige Medikamentengabe sicher gestellt ist.

 

Unvergessen:

 

Goldmund

Goldmund und sein Bruder Narziß kamen als Welpen zu mir. Sie waren die ersten Katzen, denen ich ein Zuhause geben durfte. Narziß starb mit nur 5 ½ Jahren an einer angeborenen Herzerkrankung. Goldmund wurde 16 ½ Jahre alt. Viele Kater und Kätzinnen sah er kommen und gehen. Der schöne, große Charakterkater behauptete immer unangefochten seine Führungsposition. Nun ist er selbst nicht mehr bei mir. Sein Bild verbleibt auf meiner Seite in liebevoller Erinnerung an ihn und alle, die vor ihm gegangen sind und und jene, die ihm folgen werden.

Stand vom Februar 2019