Sommer, Herbst, Winter … Sommer!

18. Jun. 2018

Als ich Emil sah, berührte er sofort mein Herz. Der alte, vielfältig gezeichnete Kater sollte nicht im Tierheim sterben. Linderung seiner Beschwerden mithilfe der außergewöhnlichen Möglichkeiten der Naturheilkunde, und ein Ende in Würde wollte ich ihm in meinem Asyl ermöglichen.

In meinem Eingangstext schrieb ich „Opi Emils Lebenszeit ist gewiss sehr begrenzt“ und dass eine Integration in die Gruppe aufgrund seiner Marotten kaum möglich sei.

Es kam anders. Emil genoss den Sommer unter Stauden und Sträuchern im Garten, den Herbst mitten auf dem Rasen. Als es kühler wurde, kuschelte er sich in die Korbplätze im Haus und genoss die wärmende Heizung wie es nur ein Tier tut, das lange ungeschützt draußen überleben musste.

Inzwischen verlebt er seinen zweiten Sommer.

Die anderen Katzen haben sich längst an ihn gewöhnt, und in Milo hat er einen fürsorglichen Freund gefunden. Der Anblick, wenn sich die Kater gegenseitig die Köpfe lecken, ist zutiefst berührend.

Bereits am 23. Mai war aus den erhofften „wenigen Restwochen“ ein volles Jahr geworden. Ein Jahr voll guten Lebens, das der Methusalem in seiner ganz eigenen Weise genießt.

Aufgenommen in die Katzengruppe und mir ganz entzückend zugetan, hat er noch einmal seinen Lebensplatz gefunden. Der Versuch einer Prognose wäre so unmöglich wie unsinnig. Ich freue mich über jeden Tag, den Emil bleiben möchte.

Einen Wunsch habe ich: dass dem tapferen, kauzigen Greis, ein schmerzhaftes Siechtum erspart bleiben möge. Hoffen wir, dass sein altes Herz einfach aufhört zu schlagen; dass er irgendwann einschlafen darf um nie mehr aufzustehen.