Paul ist leider sehr krank

22. Jul. 2018

Der Kaninchenbock machte keinen schlechten Eindruck. Aber mir fiel auf, dass er öfter Kaubewegungen machte, ohne zu fressen. Die Gewichtskontrolle ergab eine Abnahme von 200g – nicht unerheblich für ein Kaninchen. Der Tierarzt fühlte einen tiefsitzenden Unterkieferabszess, der noch wenig mit Eiter gefüllt und deshalb äußerlich nicht sichtbar war. Wir begannen eine Behandlung mit Schmerzmittel und Antibiotikum, die leider keine Wirkung zeigte. Das Röntgenbild bestätigte unsere Befürchtung: der Abszess geht vom hintersten Backenzahn aus; ein Teil des Kieferknochens ist bereits geschädigt. In einer aufwändigen Operation wurde der Abszess geöffnet und die Haut so vernäht, dass ich die Höhle durch eine kleine Öffnung täglich spülen kann. Leider sitzt der Zahn noch zu fest, als dass man ihn hätte ziehen können. Die Prognose wäre ungleich besser gewesen.

Da die übrigen Zähne intakt sind, frisst Paul gut – natürlich auch weil er weiterhin mit einem Schmerzmittel abgedeckt ist. Eigentlich benötigt Paul nun ein absolut sauberes Umfeld: kein Stroh, kein Heu und keine Erde. Der Versuch, ihn in einem großen Käfig innerhalb des Freigeheges unterzubringen scheiterte: der Bock stellte sofort das Fressen ein, und seine Partnerin Kärleken, die ihn nur mehr sehen und riechen, aber nicht zu ihm konnte, folgte seinem Beispiel. Nun habe ich einen Teil des Aussengeheges umgebaut: ich habe Platten und Steine verlegt, das zweistöckige Haus ist mit Tüchern bestückt.

Ergänzend habe ich ein neues Rasenstück erschlossen – hier kommt mir der durch die Trockenheit steinharte Boden gerade recht. Ein Sonnensegel überbrückt die Zeit am Morgen, bis der große Kirschbaum Schatten spendet. Natürlich fehlen den Kaninchen Heu, Stroh und die Möglichkeit zu buddeln. Aber sie können beisammen sein und kuscheln ausgiebig. Die Näpfe sind wieder geleert. Die erste Kontrolluntersuchung verlief im Ergebnis zufriedenstellend.

Aber es kann sein, dass ich Paul viele Wochen behandeln muss. Der Ausgang bleibt ungewiss. Gerade deshalb war es mir so wichtig den Kaninchen, trotz aller hygienischen Vorsichtsmaß-nahmen, ein Optimum an Lebensqualität zu ermöglichen.