Rainer darf (noch) nicht schlafen

11. Nov. 2019

Ich sah den Igel Mitte Oktober spät abends in meinem Garten. Mit gerade einmal 220g war er viel zu klein um draußen zu bleiben und später in den Winterschlaf zu gehen. Erstaunlicherweise war der Stachelritter frei von Flöhen und Zecken, dafür waren Füße und Bauch voller Spinnweben. Auch war er älter als es das Gewicht vermuten ließ; er musste also gehungert haben. Wir können nur mutmaßen: war er vielleicht z.B. in einem Kellerfensterschacht gefunden und freigesetzt worden? Und seine Retter wussten nicht, dass er ohne Hilfe keine Überlebenschance gehabt hätte? Der Kleine war unverletzt und der Kot frei von Parasiten – auch das war eher ungewöhnlich. In der Garage richtete ich eine Notunterkunft her und begann mit dem Päppelprogramm.

Die Gewichtszunahme von 70g pro Woche war schulbuchgemäss, verdeutlichte aber auch, wie viele Wochen es bis zum Erreichen des Winterschlafgewichtes von 700g dauern würde. Ich musste mich also dringend um einen den Bedürfnissen angemesseneren Platz kümmern. Er musste wärmer (15 – 18 Grad) sein als die Garage und Tageslicht haben. Freunde übernahmen den Igelmann, den wir Rainer tauften. Nun hat er eine wohltemperierte Vollpension und darf weiter zunehmen – das aktuelle Gewicht ist 540g. Sobald die 700g – Marke „in Sicht“ kommt, wird er an kühlere Temperaturen gewöhnt um dann in einem Aussengehege auf der Terrasse in einen überwachten Winterschlaf zu gehen.

Wenn hoffentlich Alles gut geht, wird Rainer im späten Frühjahr (sobald die Temperaturen stabil sind und auch nachts nicht unter 10 Grad fallen) in die Freiheit entlassen – mit Beifütterung natürlich. Eigentlich schätzen die „Meckis“ keine Ortsveränderungen, weshalb wir immer bestrebt sind, sie am Fundort auszuwildern. Mein Garten böte auch den passenden Lebensraum, aber leider betreibt mein Nachbar einen Mähroboter. Die Tiere sind Einzelgänger und haben ein großes Revier mit mehreren Aufenthaltsorten. Es ist absolut ausgeschlossen, sie in eine solche Umgebung zu entlassen.

Igel gehören zu den ältesten Säugetieren, die sich genetisch unverändert erhalten haben. Inzwischen zählen sie zu den gefährdeten Tierarten. Die Folgen der Zivilisation – Zerstörung der Lebensräume, Tod im Straßenverkehr und vor allem durch Gartengeräte – sind nur einige der Ursachen. Nicht zuletzt führt der dramatische Rückgang der Insekten auch bei den zauberhaften Stacheltieren zu Mangelernährung und einen Rückgang der Nachkommen. Lesen sie hier den sehr emotionalen Aufruf ( – schrei) einer Igelretterin: Tierhilfe Vierbeiner Erftstadt e.V. hat einen Beitrag geteilt.

Und hier finden Sie weitere interessante Informationen: https://www.wildtierhilfe-odenwald.de/erste-hilfe-maßnahmen/igel/

!Bitte schauen Sie nicht weg sondern handeln sofort!
Ein Igel, der am Tage herumläuft, benötigt immer Hilfe. Nehmen sie ihn auf, setzen ihn in einen Karton mit Zeitungspapier, wärmen ihn (Einmalhandschuh mit warmem Wasser füllen) und bringen ihn so schnell wie möglich zu einer anerkannten Pflegestation (am besten schon einmal eine Anlaufstelle parat haben). Tierärzte sind zumeist keine Option, da sie sich nur in seltenen Fällen mit Wildtieren auskennen. Nicht wenige Tiere versterben, weil sie falsch, z.B. mit Antiparasitika, anbehandelt wurden.

Wir müssen um jedes einzelne dieser zauberhaften Tiere kämpfen.