Ich kann es nicht verstehen…

2. Feb. 2020

Maylo wurde am 24. Januar im Bonner Tierheim abgegeben. Der Tierarzt, dem er zum Wochenbeginn vorgestellt worden war, hatte darauf gedrungen und letztlich mit einer Anzeige gedroht. Der Kater hat einen Diabetes, der ihn – seit langer Zeit unbehandelt – in einen erbarmungswürdigen Zustand gebracht hat. Seit „ungefähr“ zwei! Jahren fiel den Haltern auf, dass der Wohnungskater immer weniger fraß und abnahm. Dass er vermehrt trank, sich die Augen eintrübten, und die Muskulatur sich derart abbaute, dass Maylo kaum mehr laufen konnte, wurde nicht bemerkt?

Als er das Fressen vollends einstellte entschloss man sich dann doch, eine Praxis aufzusuchen.

Das Ergebnis der Blutuntersuchung weist einige unschöne Parameter auf; absolut im Vordergrund stehen die katastrophalen Blutzuckerwerte. Besonders der Fructosaminwert (Langzeitblutzucker) ist furchtbar – die Erkrankung muss bereits über einen langen Zeitraum mit entsprechend hohen Werten bestehen. Die Halter sahen sich überfordert und lehnten eine Behandlung ab. Der Tierarzt hatte das Rückgrat eine Abgabe des bedauernswerten Katers durchzusetzen. Weitere Untersuchungen zeigten, dass sich inzwischen eine lebensbedrohliche Ketoazidose* entwickelt hatte; die Nierenwerte haben sich weiter verschlechtert; die Zähne sind in katastrophalem Zustand, Maylo hat eine Blasenentzündung und ist infolge des Diabetes nahezu erblindet.

“Die Ketoazidose ist eine Form der metabolischen Azidose, die besonders häufig als Komplikation bei Diabetes mellitus bei absolutem Insulinmangel auftritt…“ – Wikipedia

Als ich ihn am Montag abholte, befand er sich bereits in Seitenlage, weshalb wir fast keine Hoffnung mehr hatten. Nahezu leblos hing er in meinen Armen, aber er schluckte das Päppeltonicum bereitwillig ab und ließ sich ohne jede Gegenwehr medikamentieren. Jetzt, einige Tage später, zeigt die Intensivpflege Wirkung. Der Kater ist deutlich munterer und kräftiger, seit zwei Tagen frisst er selbstständig – nicht viel, aber immerhin. Ketone konnten keine mehr gemessen werden – ein Riesenschritt in Richtung „Leben“. Über den Berg ist der äusserst nette Kerl lange nicht. Mitentscheidend wird sicher sein, ob wir die Niereninsuffizienz noch abfangen können. Sollte uns das gelingen, müssten vorrangig die z.T. hochentzündeten Zähne saniert werden. Und natürlich ist der Diabetes einzustellen. Wir benötigen jede Menge gedrückter Daumen und Pfoten.

Im Tierschutz begegnen uns immer wieder Katzen, die in grauenvollen Zuständen gefunden werden. Oft bleibt uns nur noch, ein langes, elendes Siechtum gnädig zu beenden. Diese Schicksale berühren und machen traurig. Wie aber ein Tier in einem Zuhause in eine derart schlechte Verfassung geraten kann, ist einfach nicht zu verstehen. Wir sind entsetzt und fassungslos. Inständig wünschen wir uns, dass der Kater leben kann und sich irgendwann Menschen finden, die ihm ein Heim geben, das den Namen auch verdient.