Clarissa musste uns verlassen

18. Jun. 2020

Die kleine Schildpattkatze kam vor 2 Jahren schwer verletzt zu mir. Sie hatte in ihrem bisherigen Leben viel Willkür erfahren und entsprechend verhielt sie sich. Argwohn, Angst und ein allgegenwärtiger Fluchttrieb bestimmten ihr Verhalten. Die Tatsache, dass sie kaum hörte und im Köpfchen „nicht ganz in Ordnung“ war, erschwerten die Integration in die Gruppe. Aber die Zeit half. Clarissa lernte die Vorzüge eines behaglichen Zuhauses schätzen, ging gerne kleine Runden im Garten; sie arrangierte sich mit den übrigen Katzen und baute, basierend auf zahlreichen Ritualen, ein zartes Vertrauensverhältnis zu mir auf. Sie fühlte sich wohl.

Im März waren die Untersuchung durch die Tierärztin sowie die Blutwerte einwandfrei. Nichts deutete auf eine schwere Tumorerkrankung hin. Die Kätzin wurde sehr anhänglich in der letzten Zeit – vielleicht hätte ich es ahnen können?

Seit einer Woche fraß sie zunehmend schlecht; ihr war übel, dann hustete sie. Aber sie fing sich immer wieder. Auch von einem neurologischen Anfall, dem eine große Schwäche folgte, erholte sie sich rasch.
Der Tastbefund ließ den Tumor ahnen, die Ultraschalluntersuchung zeigte ihn: einen großen Nierentumor; Leber und Milz waren bereits in Mitleidenschaft gezogen. Wir konnten Clarissa nur gehen lassen.

Meine Kleine! So oft hast Du mich in den frühen Morgenstunden mit Deiner dementen Schreierei aufgeweckt. Jetzt ist es ruhig und es ist die ungewohnte Stille, die meinen Schlaf beendet.