Ein Poppelsdorfer* Quartett

1. Sep. 2020

Pauline gebar ihre Kinder in einem verwilderten Garten. Vier Mädchen, alle in der Fellfärbung „schildpatt“. Als die Kitten laufen konnten, fielen sie beim Spielen einer jungen Frau auf. Die sofortige Meldung beim Tierschutzverein ermöglichte eine zügige Sicherung der kleinen Familie. Zum Glück, denn sofort fielen die teilweise schwer kranken Augen der Tiere auf.

Die Mutterkatze war gesund. Inzwischen kastriert und liebevoll betreut, legt sie langsam ihre Ängste ab. Sie ist auf einem guten Wege, bald ein schönes Zuhause zu finden.

Ihren Kindern ging es deutlich schlechter. Alle waren viel zu dünn und drei von ihnen hatten hochgradig entzündete Augen. Infolge eines Katzenschnupfens war es zu einer Herpesinfektion gekommen. Diese führte bei Pepita auf dem linken Auge, bei Page auf beiden Augen zu einem „Symblepharon“, einem Zusammenwachsen der Bindehaut des Lides mit der Bindehaut des Augapfels und mit der Nickhaut. Die Hornhäute sind deutlich eingetrübt. Der Defekt ist nicht operabel. Ein aufwändiges Salbenmanagement mit unterschiedlichen Präparaten brachte die akute Entzündung zum Abklingen, aber die Hornhaut muss täglich befeuchtet werden – ein Leben lang.

Pia Anfang Juli

Pia jetzt

Pia war unser Kummerkätzchen über viele Wochen. Völlig zurückgeblieben konnte sie weder vom Gewicht noch von der Motorik her mit ihren Schwestern mithalten. Ihr rechtes Auge war zerstört und die Augenflüssigkeit, die nicht mehr abfließen konnte, hatte den Augapfel beängstigend anschwellen lassen. Wir kämpften um jedes Gramm Gewichtszunahme um die Kleine narkosefähig zu bekommen. Anfang August war es so weit: das Auge wurde entfernt und seitdem holt Pia im Turbogang das Versäumte nach. Leider hat sie sich durch die Sonderbehandlung ihren Schwestern entfremdet. Von Beginn an hielt Pia sich abseits und zeigte einen Hang zu erwachsenen Katzen. Erholt nach der Operation fauchte sie ihre Leidensgenossinnen an und schlug nach ihnen. Sie teilt sich jetzt das Zimmer mit Capper und die beiden ungleichen Katzen bilden ein nettes Paar.

Im Katzenzimmer harmonieren Paula und Pepita besonders gut, geben aber zusammen mit Page auch ein entzückendes Trio ab. Es entspräche einem „Sechser im Lotto“ wenn sich ein Zuhause für alle Drei fände.

Page                                               Paula                                               Pepita

 

Die vier Mädels haben den Sprung in’s Leben geschafft. Aber sie sind (bis auf Paula) für immer sehbehindert, und das Virus wird sie Alle lebenslänglich begleiten. Jede andere Erkrankung, jede Aufregung kann zu einem akuten Schub führen. Ich hoffe sehr, dass sich Menschen finden, die sie liebgewinnen und für die das Salbenmanagement keinen Hinderungsgrund für eine Adoption darstellt.

Mutter Pauline ist keine verwilderte Katze. Ob sie unkastriert entwischte oder im Freigang lebte, werden wir nie erfahren. Das Eine war so verantwortungslos wie das Andere. Sie und ihre Kinder wären im Herbst alle trächtig geworden von einem ebenso verantwortungslos unkastrierten Kater. Wenn jede Kätzin 4 Kinder bekommen hätte…

Ein verhängnisvoller Kreislauf verursacht durch menschliche Dummheit und Ignoranz.
In diesem Falle wurde er unterbrochen, aber oft genug gelingt das nicht. Innerhalb weniger Monate entstehen große Populationen verwilderter Katzen, um die sich Niemand kümmert. Die Tiere fristen ein erbärmliches Dasein geprägt von Entbehrungen, Krankheit und einem frühen, leidvollen Tod.
„Rechtzeitige Kastration“ lauten die Zauberwörter. Wann verstehen das endlich alle Katzenhalter?!

Die Katzen werden über das Tierheim Bonn vermittelt:

*Poppelsdorf ist ein Stadtteil von Bonn

Pia, Page, Pepita Anfang Juli