Mariana,
eine Musterschülerin

28. Dez. 2020

Plötzlich war sie da. Unsicher, aufgeregt, immer auf der Hut, aber getrieben von einem unbedingten „Ich will“ mischte sich die offensichtlich junge Katze unter die alteingesessenen Seniorinnen, die am Altenheim im Gudenauer Weg gefüttert werden. Sie war zart und schlank aber nicht mager. Dennoch war ihr Appetit riesig.

Die wohlbeleibten vierbeinigen Matronen waren „not amused“ über den Neuzugang, den wir für einen unkastrierten Kater hielten. Aber sie machte das sehr geschickt: jede Konfrontation wurde vermieden, dafür der Kontakt zu uns Menschen deutlich gesucht. Schnell kam sie ganz nah, nahm die Leckerchen, die wir hinwarfen und lernte, dass es für sie einen kleinen Extranapf gab. Der stand vorne in der Falle, aber es brauchte dann doch einige Tage, bis sie sich ganz hinein traute. Die Fangaktion wurde für den nächsten Tag geplant, alles Weitere organisiert. Wir warteten vergebens; fast eine Woche lang. Ich war traurig und ohne große Hoffnung, als die Katze am nächsten Novembersonntag wieder auftauchte. Vorsichtiger war sie und so hungrig. Wir hatten ein leichtes Spiel.

Beim Tierarzt dann die Überraschung: es war ein Mädel. Aus Marian wurde Mariana.

Sie war ohne Kennzeichnung, unkastriert; die Tests auf die viralen Katzenkrankheiten und Giardien waren zum Glück negativ. Im ersten Kotabsatz fanden sich Fetzen eines blauen Müllsacks, in der Kastrationsnarkose zeigte sich ein abgebrochener oberer Eckzahn, der bereits eine Fistel ausgebildet hatte. Die Risiken und Schmerzen! eines Streuners…

Die ersten Tage mit dem Halskragen waren furchtbar, aber ganz plötzlich „legte“ Mariana „den Hebel um“. Souverän bewegte sie sich in ihrem kleinen Bereich und hielt mir – trotz des Kragens – den Kopf zum Kraulen hin. Als dann noch ein zutrauliches Katzenpaar im Nachbarabteil einzog, lernte sie im Turbogang. Inzwischen schmust die Schönheit mit vollem Körpereinsatz und spielt mit Leidenschaft. Klug, neugierig und keck zeigt sie bisweilen eine Abgeklärtheit, die bei einem so jungen Tier verwundert. Dennoch werden sowohl die körperlichen als auch die seelischen Folgen der unversorgten Herkunft sichtbar. Auf hastige Bewegungen, Lärm, Unbekanntes reagiert Mariana äußerst schreckhaft. Verständlich, kennt sie doch weder die Geräusche der Stadt noch die eines Haushaltes. Ihr wenig sanfter Umgang mit den Federwedeln lässt ahnen, dass die eineinhalb Lebensjahre als Wildling kein Zuckerschlecken waren.

Ich versuche jetzt die körperlichen Defizite auszugleichen, dann erfolgt die Grundimmunisierung. Für Ende Januar ist der Umzug in’s Tierheim Bonn angedacht. Sollten sich vorher die richtigen Interessenten melden, stände einem Umzug direkt von der Pflegestelle aus nichts im Wege. Es sollten aber bitte minimal zwei Besuche eingeplant werden.

Wir wünschen uns im neuen Zuhause einen etwa gleichaltrigen, gut sozialisierten Kater; Adoptanten mit Erfahrung in der Katzenhaltung und –vergesellschaftung sowie eine ländliche, ruhige Wohngegend. Eine hochwertige Fütterung ohne Trockenfutter möchten wir voraussetzen. Gerne können größere Kinder, die den Umgang mit Katzen kennen, im Haushalt leben. Mariana wird viel Aufmerksamkeit und Zeit einfordern, bevor sie nach einer sicher etwas längeren Eingewöhnungsphase ihren Freigang (gerne über eine Katzenklappe) genießen darf.