Pummel findet das Alles ziemlich blöde

17. Dez. 2020

Die Kätzin kommt von einer Futterstelle, auf die ich durch Zufall stieß. An einem Altenheim waren vor 5 Jahren etliche verwilderte Katzen kastriert worden.

Der ausführende Katzenschutzverein stellte ein paar Katzenhütten auf. Dann verblieb die Verantwortung bei den ansässigen Nonnen. Diese kümmerten sich liebevoll um die Tiere. Sie bekamen Namen und bauten sogar ein gewisses Vertrauensverhältnis auf. Pünktlich erschienen und erscheinen sie zur Fütterung.

Aber natürlich fehlte es den alten Damen an sachkundiger Unterstützung, weshalb keine der Katzen in irgendeiner Weise medizinisch versorgt war. Pummel lief wohl schon länger mit einem zerstörten Auge herum. Der Augapfel war gar nicht mehr sichtbar, aus der Augenhöhle lief der Eiter, den sich die Katze immer wieder ein wenig abputzte. Sie muss Schmerzen gehabt haben, aber wie alle Wildtiere, die die Schwäche nicht zeigen, fraß sie noch zuverlässig. Sogar richtig gut, wie man an ihren barocken Körperformen erkennen kann.

Die Schwester, der sehr am Wohlergehen ihrer Schützlinge gelegen ist, unterstützte hervorragend. Pummel wurde gefangen und im Anschluss arbeiteten Alle zügig Hand in Hand. Mein aufrichtiger Dank gilt (wieder einmal) „meiner“ wunderbaren Tierarztpraxis, dem Tierheim Bonn, der Praxis für Augenheilkunde und einer Patin, die die nicht unerheblichen Kosten der Operation trug! Ich brachte Pummel noch in der Falle zum Tierarzt zur Erstuntersuchung und Blutentnahme. Bis zum (durchweg guten) Ergebnis der Befunde verbleib sie in der Tierheimquarantäne. Nur wenige Tage später wurden in der Facharztpraxis die Reste des Auges entfernt, die Augenhöhle gesäubert und vernäht. Pummel zog zu mir in das Katzenzimmer.

Die Zeit mit Halskragen überstanden wir zum Glück ohne Desaster. Natürlich fraß Pummel auch die Medikamente ganz verlässlich. Aber sie mag sich so gar nicht eingewöhnen. Noch immer gehen die Ohrmuscheln sofort in die Waagerechte, wenn ich das Abteil betrete, und ich werde fauchend begrüsst.

Die autarke Katze vermisst die Natur und ihre Freiheit. Sie benötigt einen gesicherten Auslauf von dem aus sie selbst entscheiden kann, wann sie den Anschluss an Menschen suchen möchte. Einen solchen kann ich ihr nicht bieten. Mitte Januar wird die toughe Piratin in’s Tierheim umziehen. Dort warten ein großer Raum mit Garten, nette Artgenossen und eine ganz außergewöhnliche Katzenstreichlerin auf sie.

Pummel wird noch durchgeimpft und die Zähne werden saniert. Dann bekommt sie die große Chance Geschmack an einem behüteten, zivilisierten Katzenleben und irgendwann die Menschen, die sie lieben wie sie ist, zu finden.