Die Tiere vom Rosenweg

10. Sep. 2021

Es ist Zeit einmal wieder “danke” zu sagen für alle Unterstützung in Worten und mit Spenden. Womit ginge das eindrücklicher als mit den Bildern und einer kurzen Beschreibung der mir anvertrauten Katzen?

Ein Überblick zum Erinnern, zum Mitfühlen und vorallem zum Freuen.

Ganymed lebt inzwischen fast dreieinhalb Jahre bei uns. Aus dem panischen Wildling ist ein sanfter, hochsozialer Kater geworden. Er schätzt die Kuschelplätze im Hause genauso wie die im Freien, geht aber abends auch gerne „auf Tour“. Seit einigen Monaten darf ich ihm das Köpfchen kraulen. Es ist entzückend zu erleben, wie er dabei tretelt und ihm der Speichel aus dem Mäulchen tropft. Eine schöne Entwicklung, die zu gegebener Zeit ihre Vollendung in einem Haushalt mit weniger Katzen und vor allem ohne die ständigen Wechsel innerhalb der Gruppe finden wird. 


Kira scheint in ihrem Leben vom Unglück verfolgt zu sein. Vor Jahren verlor sie ein Auge, jetzt musste ihr aufgrund eines bösartigen Tumors ein Großteil des Schwanzes amputiert werden. Zwar erholte sie sich schnell und kommt unerwartet gut zurecht. Aber sie bleibt das Mobbingopfer schlechthin im Haushalt. Nicht ganz unverschuldet: gerne knurrt sie andere Katzen an um sich dann zu wundern, dass diese sie bei nächster Gelegenheit jagen. Sie mag ihr Zuhause zweifelsfrei, ein wirklich glückliches Leben hätte sie aber nur als Einzelkatze haben können.

Mathilda erkrankte im letzten Winter an einer schweren Anämie, von der sie dank unseres Tierarztes vollständig genas. Ein Leben im Katzengartenhaus wollte ich ihr nicht mehr zumuten, zumal sie das Freigehege so gut wie nie nutzte. Wir hielten es kaum noch für möglich, aber die alte Katzendame taute auf, ihr Blick wurde weich. Inzwischen gelingt es ihr den Komfort des Lebens in einem Haushalt und meine Zuwendungen anzunehmen. Mit hoch erhobenem Schwanz kommt sie mir entgegen und drückt ihren Kopf fest in meine Hand. Geprägt aber nicht gebrochen von vielen entbehrungsreichen Jahren als Straßenkatze scheint sie jetzt die „all inclusive“-Versorgung umso mehr zu genießen.


Mattes hingegen möchte den Menschen nach wie vor nur als Versorger mit (leckerem) Futter akzeptieren. Die ganzjährige Bereitstellung sauberer, der Jahreszeit angepasster Decken und wärmender „snuggle-safes“ im Winter ist auch in Ordnung. Es gefällt ihm sehr, das kleine Reich draußen für sich alleine zu haben. Leider ist er nicht so sanft wie Mathilda (beide Katzen sind FIV+), weshalb ich ihm – obgleich der Garten inzwischen nahezu ausbruchsicher umzäunt ist – kein freies Leben ermöglichen kann. Aber auch er ist dem Elend auf der Straße entronnen. Und es ist gut, dass der Hauttumor auf der Nase zwar größer wird, aber noch immer nicht gestreut hat.


George ist der vorherige Eintrag auf dieser Seite gewidmet. Ein Jahr lebt der schwer nierenkranke Kater inzwischen auf der Pflegestelle, und er hat eine gute Zeit. Gleichwohl setzte ihm die extrem kalte und feuchte Witterung Ende August und Anfang September sehr zu. Im Moment genießt er die wunderbaren Spätsommertage, wärmt die schmerzenden Knochen in der Sonne. Aber er wird schwächer und nochmals deutlich verschmuster. Ein Zeichen, dass er endgültig die letzten Meter seines Lebensweges beschreitet.

Knut und Pia haben ohne Zweifel die Zeit ihres Lebens. Medizinisch gut eingestellt wurden aus den kranken, verängstigten Wohnungstieren agile, menschenbezogene Katzen, die ihre Ausflüge in den Garten lieben. Die kleine Pia hat es faustdick hinter ihren Ohren: mit den Katern flirtet sie schamlos, die Katzendamen werden gerne einmal angegiftet. Der etwas tollpatschige Knut entwickelte sich zu einem reizenden, verschmusten „Bärchen“. Gerne sähe ich die Beiden in einem schönen Zuhause, wo sie alle Aufmerksamkeit und Fürsorge ihrer Menschen genössen. Ich kann nicht verstehen, warum sich niemand für das zauberhafte Katzenpaar interessiert.

Pascha ist mein absolutes „Sorgenfellchen“. Der Diabetiker hat sich wunderbar erholt, aber er kommt mit dem Leben in der Katzengruppe nicht zurecht. So bewohnt er alleine das Katzenzimmer im Souterrain. Dort hat er zwar auch einen kleinen Freilauf, aber es fehlt ihm an allem, was ein gutes Katzenleben ausmacht: Bewegung, Freigang und vor allem Zuwendung. Der extrem menschenbezogene, verschmuste Kater ist unglücklich, und ich bin es mit ihm. Natürlich ist es schwierig das passende, kompetente Zuhause für eine „Zuckerschnute“ zu finden, aber irgendwo muss es doch den einen Menschen geben!

Kenobi (Krümel) lebt nun auch schon seit einem halben Jahr im Rosenweg. Trotz seiner unguten Tumorbefunde geht es ihm hervorragend. Die Tumore sind nicht gewachsen, der Kater nimmt schön an Gewicht zu, und die Maulhöhlenentzündung ist ausgeheilt. Gute Voraussetzungen doch noch nach einem schönen, versierten Endplatz für den kauzigen Senioren zu suchen. Denn auch er zöge ein Leben als Einzelprinz dem in unserer Gruppe vor. Ich bin sicher, dass der hier etwas spröde Maine-Coon-Kater schnell auftaute und noch einmal richtig glücklich würde.

Luni (Luna) kam vor wenigen Wochen in erbärmlichem Zustand von einem „Gnaden“hof. Schwer atmend, verfloht, mit schütterem Fell und abgemagert bot sie ein Bild des Jammers. Viele Jahre musste sie wohl ungenügend diagnostiziert und medikamentiert verbringen. Auch Zuwendung hatte die alte Kätzin kaum erfahren. Wir haben inzwischen Vieles aufgeholt und Luni zeigt sich als zähe Kämpferin. Ganz „auf der sicheren Seite“ des Lebens ist sie noch nicht, und ihr Kehlkopfproblem ist nicht reparabel. Aber sie ist auf einem guten Weg, und wir hoffen sehr, bald auch für sie nach Katzenliebhabern suchen zu können, die ihr noch eine wunderschöne Restzeit ermöglichen.