Luni, entschuldige die Verspätung!

13. Mai. 2022

Ich weiß es selbst nicht, warum ich so lange brauchte, die alte Katzendame vorzustellen. Seit August letzten Jahres ist sie schon bei mir. Eingangs in nahezu hoffnungslosem Zustand, gab es bald eine gesicherte Diagnose und eine zielgerichtete Therapie. Die erste Besserung zeigte sich schnell, was aber aufgrund des miserablen Allgemeinzustandes nicht wirklich als Erfolg zu werten war. Es dauerte dann viele Monate, bis Luni im Rahmen der Möglichkeiten stabil gut war. Das Damoklesschwert ihres Befundes schwebt dabei leider immer über uns.

Luna ist ein trauriges Beispiel dafür, was ein schlechter Arzt und Tier“schützer“, denen selbst das Basiswissen fehlt, an einem Katzenleben anrichten können. Fehldiagnostiziert und –therapiert wurde sie in eine schwere chronische Erkrankung und einen furchtbaren körperlichen Zustand getrieben. Wir wissen nicht, wie viele Jahre sie ihr erbärmliches Dasein auf einem „Gnaden“hof fristete. Einzeln gehalten in einem kleinen Raum ohne viel Tageslicht, hatte sie kaum menschlichen Kontakt. Tatsächlich dachte ich zunächst, sie sei taub, weil sie auf die für sie ungewohnte Ansprache überhaupt nicht reagierte. Warum sie nicht lange aufgegeben hatte, ist mir bis heute ein Rätsel.

Zu mir kam sie abgemagert, mit von der erschwerten Atmung aufgetriebenem Bauch und einem Atemgeräusch, das schwer auszuhalten war. Das Fell war dünn und schütter infolge eines extremen Flohbefalls und der daraus resultierenden Allergie. Getriggert vom Dauercortison, war sie hoch nervös und komplett unsauber. Sie fraß wie von Sinnen verwertete das Futter aber gar nicht. Unzählige Narkosen zum Röntgen der Lunge, nicht indizierte Antibiosen, und letztlich das Cortison hatten die Darmgesundheit und den kompletten Stoffwechsel der Kätzin völlig zerstört bzw. durcheinandergebracht. Ganz schnell wurde klar, dass Lunas Problem in den oberen Atemwegen, genau im Rachen, lag. Erstaunlicherweise konnte sie die grauenvoll laute Maulatmung kontrollieren, d.h. sie trat nicht immer, vorrangig beim Fressen, auf. Wir hatten keine andere Wahl, als die Patientin noch einmal in eine kurze Narkose zu legen. Das Problem war schnell gefunden. Es besteht in einer Zubildung, die die Kehlkopföffnung einengt. Natürlich stand als Ursache auch ein Tumor im Raum, aber nach einer so langen Zeit, denken wir eher an eine nicht sachgerecht behandelte Kehlkopfentzündung. So schnell, wie es vertretbar war, schlichen wir das Cortison aus. Die verabreichten Enzyme unterstützten die Verwertung der Nahrung. Die Katze nahm schön zu und baute auch ein wenig Muskelkraft auf.

Es brauchte viele Monate, bis die verheerenden Folgen insbesondere des Dauercortisons behoben, und die vielfältigen Defizite ausgeglichen waren. Ich bin froh behaupten zu können, dass das Ömchen sein Dasein inzwischen wirklich mag. Mühelos erklimmt sie ihren Lieblingsplatz im Regal, sie versteht sich mit Pascha und abends liegt sie neben uns, wenn wir kuschelnd den Tag ausklingen lassen. Das Kraulen am Kopf fordert sie geradezu ein, um im Anschluss entspannt zur Ruhe zu kommen. Wenn sie mich dann anschaut, hat sie ein wunderhübsches, ganz junges Gesicht (und ich zerfließe vor Rührung). Erbrechen und Unsauberkeit sind Vergangenheit, nur die Allergie bekommen wir leider nicht vollends in den Griff. Und Luni bleibt eine heikle Patientin. Jede Verkomplizierung, sei es im medizinischen Sinne eines akuten Infektes als auch in psychischer Hinsicht in Form von Aufregung und demzufolge Verschluckens ist zu vermeiden. Das Futter wird mit Wasser zu Brei gemust, und ich versuche auf das kleinste Zeichen einer Veränderung zu achten und zu reagieren. Eine Vergesellschaftung in die Katzengruppe wäre viel zu anstrengend, scheint aber auch nicht nötig zu sein.

   

Luni wirkt zufrieden mit ihrem hellen Zimmer und dem Pflegepersonal. Päckchen mit Miamor Paté (bitte keinesfalls Gourmet!) wären jederzeit sehr willkommen. Die Katze mag alle Sorten (aber bitte kein Fisch) und der Mensch müsste nicht so viel musen 😉

Mein großer Wunsch ist es, dass die tapfere Katze nicht irgendwann an einer Crisis der eingeschränkten Atmung sterben muss. Sie erstickte elendig, ohne dass ich ihr in irgendeiner Form helfen könnte.