Feline Leukämievirus-Infektion

20. Jan. 2017

Die Feline Leukämievirus-Infektion wird durch das gleichnamige Virus (felines Leukämievirus – FeLV) verursacht.

Weitverbreitet ist die Bezeichnung „feline Leukose“, die aber irreführend ist.

„Leukose“ ist der Sammelbegriff für Tumoren der weißen Blutzellen, die nur in ganz seltenen Fällen durch eine FeLV-Infektion hervorgerufen werden.

Übertragung

Das Virus wird hauptsächlich mit dem Speichel übertragen. Man findet es aber auch im Kot und Urin, in Augen- und Nasensekreten, sowie der Muttermilch. Es ist an der Luft nicht lange beständig, weshalb die hauptsächlichen Übertragungswege das gegenseitige Belecken, Fressen aus den gleichen Näpfen und natürlich Bisse sind. Welpen können sich bereits im Mutterleib infizieren. Eine Ansteckung anderer Arten ist ausgeschlossen, für die Reinigung genügen handelsübliche Desinfektionsreiniger.

Die Empfänglichkeit für das Virus nimmt mit steigendem Alter ab. Des weiteren richtet sie sich nach dem Immunstatus und nach der aufgenommenen Virusmenge.

Feststellung

Der Nachweis des Virus erfolgt durch einen Bluttest (Antigen-Schnelltest). Er sollte zusammen mit dem Test auf FIV (Felines Immundefizienz Virus) Standard bei jeder Erstuntersuchung einer Katze sein (Welpen werden frühestens ab dem 3. Lebensmonat verlässlich getestet).

Negativ getestete Tiere erlangen durch regelmäßige entsprechende Impfungen einen guten Schutz vor Ansteckung. Dabei hat ein negatives Ergebnis eine hohe Aussagekraft; schließt aber trotzdem eine latente Infektion nicht aus.

Bei positivem Ergebnis wird eine Nachtestung nach 6 und nach 10 Wochen empfohlen, da es unterschiedliche Verlaufsformen der Virämie gibt: Im günstigsten Falle hat die Katze ein starkes Immunsystem und ist in der Lage das Virus innerhalb der ersten drei bis sechs Wochen der Infektion vollständig zu eliminieren. Der Test wäre aber innerhalb dieser akuten Phase der Virämie positiv. Gelingt die Beseitigung des Virus nicht, wird nach den lymphatischen Geweben auch das Knochenmark infiziert und seine Zellinformationen können nicht mehr vollständig beseitigt werden. Bei einer ausreichend starken Immunantwort liegen aber keine Antigene vor, weshalb der Test negativ ausfällt. Man spricht von einer latenten Infektion, die allerdings durch äußere Faktoren (Stress, Schwächung des Immunsystems, andere Erkrankungen) aktiviert werden kann. Von latent infizierten Tieren geht akut keine Ansteckungsgefahr aus.

Bei schlechtem Immunsystem ist der Körper nicht in der Lage, die Virämie zu beenden, die dann in der Regel zu einer lebenslänglich bestehenden Infektion führt.

Eine FeLV Infektion kann unauffällig bis zu hochgradig symptomatisch (mit Fieber, Durchfall, Lymphknotenschwellung, etc.) verlaufen. Hat die Katze die akute Phase der FeLV Infektion überstanden, ist die wichtigste Folge eine Immunsuppression. Die Tiere sind anfällig für Sekundärinfektionen, Knochenmarkshemmung mit folgender Anämie, auch Tumore können FeLV-assoziiert sein. Das feline Sarkomvirus (FeSV), das Fibrosarkome verursachen kann, ist nur mit Hilfe des FeLV-Virus in der Lage, Zellen zu infizieren. Statistisch haben Tiere mit FeLV-Infektion eine deutlich verkürzte Lebenserwartung. Mit dem entsprechenden Management kann diese aber signifikant erhöht werden.

Der Umgang mit FeLV-positiven Tieren hat eine bestmögliche Versorgung des Tieres aber auch eine Verhinderung der Ausbreitung des Virus zum Ziele.

Er fußt auf 3 Säulen:

1. Gesundheitsmanagement

Hier kommen dem Schutz und der Stärkung des Immunsystems entscheidende Bedeutung zu. Jeglicher gesundheitlicher Stress wirkt sich direkt auf dieses aus und ist deshalb unbedingt zu vermeiden.

  • Die für alle Katzen selbstverständliche Kastration vermeidet hormonell bedingte Belastungen.
  • Die regelmässige Kontrolle und ggf. schonende Behandlung auf/gegen Endo- und Ektoparasiten vermeidet die körperliche Schwächung durch dieselben.
  • Routineuntersuchungen in gleichmässigen (halbjährlichen) Intervallen helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Dabei dürfen die Kontrolle der Zähne, der Augen, der Lymphknoten und des Gewichtes nicht fehlen.
  • Genauso hilft eine jährliche Blutuntersuchung aufkommende Erkrankungen bereits im Ansatz therapieren zu können.
  • Impfungen zum Schutz vor weiteren Infektionen sind sorgfältig abzuwägen; wenn geimpft wird, sind die Impfintervalle anzupassen.
  • Natürlich dürfen keinerlei immunsuppressive Medikamente eingesetzt werden.
  • Die Fütterung sollte hochwertig und vor allem artgerecht sein. Belastende Dinge ohne Nährwert wie Trockenfutter, die entsprechenden Leckerchen, sowie Feuchtfutter mit Getreide und Zucker sollten nicht verwendet werden.
2. Therapeutische Maßnahmen

Die persistierende FeLV-Infektion ist nicht zu „heilen“. Für das Management betroffener Tiere stehen aber sowohl schulmedizinisch als auch naturheilkundlich zahlreiche Therapien zur Verfügung. Dazu zählen:

  • Eine antivirale Therapie
  • Eine Immuntherapie
  • Von extremer Wichtigkeit sind die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Sekundärinfektionen.
  • Eine ganzheitliche Begleittherapie hat zum Ziel, den Organismus optimal zu stärken und somit Folgeerkrankungen, vor allem aber einen Ausbruch der Leukämie zu verhindern.
3. Haltungsmanagement
  • An erster Stelle gilt es, sicherzustellen, dass die Infektion nicht verbreitet wird. Virusträger sollten deshalb nur zusammen mit ebenfalls infizierten Tieren gehalten werden. Ein ungeschützter Freigang ist nicht mehr möglich.
  • Das Umfeld sollte ruhig sein und dem Tier das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.
  • Mehrere Rückzugsmöglichkeiten sind für die Tiere genauso wichtig wie Plätze, an denen sie in Ruhe fressen können.
  • Große Bedeutung kommt auch der Wahl der Katzentoilette und deren Platz zu.
  • Wünschenswert ist ein geschützter, ausreichender Freigang. Er ermöglicht positive, abwechslungsreiche Erlebnisse und schafft damit eine Lebensqualität, die in einer Wohnungshaltung niemals zu erreichen ist.

Eine Vielzahl von Punkten, aber bei genauem Lesen erkennt man, dass die meisten eigentlich Standard in jedem sorgfältig betreuten Katzenleben sein sollten.

Diejenigen, die verbleiben, machen das Management einer FeLV+ – Katze vielleicht ein klein wenig aufwändiger, aber keinesfalls anstrengend, besonders kostspielig oder Ähnliches. Man muss gut auf die Süßen aufpassen, damit sie ein gutes, möglichst langes Leben führen können. Aber sollte man das nicht auf jedes Tier, das Einem anvertraut wird?

Fachliteratur: „Infektionskrankheiten der Katze“ von Katrin Hartmann und Jutta Hein; © 2008, Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co.KG