Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

8. Mai. 2012

Die Bauchspeicheldrüse ist eines der am meisten unterschätzten Organe. Pathologische Untersuchungen zeigen, dass Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse bei Hunden und Katzen weitaus häufiger vorkommen als vermutet bzw. diagnostiziert.

Gründe hierfür sind eine unklare Entstehung der Erkrankung, unspezifische Symptome und der noch immer nicht allen Ärzten bekannte diagnostische Nachweis. Zudem ist eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse häufig mit weiteren Krankheitsgeschehen des Magen Darmtraktes vergesellschaftet. So kann das Erbrechen als Hauptsymptom einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung zu einer Schädigung des Pankreas führen: es kommt zu einer Erhöhung des Druckes im Dünndarm, der zu einem Rückfluss von Pankreassaft und Gallensäure in das
Pankreas führt.

In vielen Fällen findet man daher eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn) sowie entzündliche Veränderungen der Gallenwege und der Leber (Cholangiohepatitis) gleichzeitig. Die Kombination dieser drei Krankheitsgeschehen wird in der neueren Medizin als Triaditis bezeichnet.

Das Pankreas hat je nach Tierart ein bis zwei Ausführungsgänge. Bei der Katze ist nur der Hauptgang ausgebildet. Diese anatomische Besonderheit macht gerade die Katzen besonders anfällig für Bauchspeicheldrüsenerkrankungen. Die Bauchspeicheldrüse stellt eines der wichtigsten Organe des Verdauungstraktes dar. Indem sie einerseits den Pankreassaft als unverzichtbares Verdauungssekret, andererseits die Hormone Insulin und Glukagon produziert, ist sie eine Drüse mit zweierlei Funktion:
Sie

  • neutralisiert den sauren Magensaft
  • produziert Enzyme, die der Aufspaltung der Nahrung dienen
  • produziert Insulin und Glukagon und gibt diese an das Blut ab

Erfahrungsgemäss findet man bei Hunden eher akute Pankreatitiden, bei Katzen hingegen chronische Geschehen, bei denen es immer wieder zu akuten Schüben kommen kann.

Die Symptomatik ist unspezifisch und bei jedem Tier völlig unterschiedlich. Sie reicht von der milden Form, bei der das Tier durch Inappetenz auffällt (hat Hunger, mag dann aber keine der angebotenen Speisen fressen), über diejenige, die mit Erbrechen und Durchfall (meist grau) einhergeht, bis zu der lebensbedrohlichen Form, bei der sich im Blutbild eine Leukozytose und veränderte Organwerte (u.a. Leber, Niere) zeigen.

Akute Schübe einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung können tödlich verlaufen, weil sich das Organ schließlich selbst verdaut.
Der Nachweis der Erkrankung erfolgt mittels eines spezifischen Wertes aus dem Blut. Differentialdiagnostisch ist zu unterscheiden, ob nur eine Entzündung, eine Entzündung mit Insuffizienz oder nur eine Insuffizienz vorliegt.

Therapeutisch hat die Schulmedizin geringe Möglichkeiten. Die Erkenntnis, dass „Weniger Mehr ist“ setzt sich zum Glück immer mehr durch. An erster Stelle stehen Nahrungskarenz (damit das Organ zur Ruhe kommt) und Infusionen; evtl. mit B-Vitaminen. Die Gabe eines Antibiotikums ist sorgfältig abzuwägen, Cortison meistens kontraindiziert. Die Wahl eines Schmerzmittels ist heikel, da die üblichen Präparate mit Entzündungshemmer das Organ zusätzlich schädigen.

Naturheilkundlich gibt es eine kleine Auswahl hervorragender Präparate, die die Bauchspeicheldrüse maßgeblich unterstützen. Ergänzend sind – je nach Befund – Leber, Galle und weitere Organe zu therapieren.

Ist der akute Schub unter Kontrolle, ist eine leicht verdauliche Magen-Darm-Diät in vielen kleinen Tagesmahlzeiten zu füttern. Trockenfutter kommt für mich keinesfalls in Betracht.
Die naturheilkundliche Bauchspeicheldrüsenmedikation ist eine lebenslängliche.

Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber sehr gut zu managen.